Die Anlage (später Ölberg)

5.0
Aussichtspunkt
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Informationen

  • Zwischen Mönkeberg und Dietrichsdorf soll sich im Mittelalter ein Dorf mit dem Namen "Hukeshole" befunden haben. Die Lage wird auf dem Flurbereich "Dorfstede" vermutet, was in etwa dem heutigen Ölberg-Gelände entspricht. Das Dorf verschwand vermutlich da seine Bewohner durch eine Seuche starben. Dadurch wurde es dem Adel möglich, herrenlos gewordenes Land in seinen Besitz zu nehmen.

    Die Anlage


    In den 1920er Jahren erwarb die Stadt Kiel etwa 10 Hektar Fläche am Fördeufer bei Mönkeberg. Um 1926 entwarf Ferdinand August Wilhelm Hurtzig hierfür die Städtischen Grünanlagen mit mehreren Aussichtspunkten, welche ca 1929 fertiggestellt und im Volksmund "Die Anlage" genannt wurde.
    Hurtzig wurde 1920 zum Stadtgartendirektor ernannt und war bereits seit 1900 Stadtgärtner in Kiel. Er plante unteranderem den Schrevenpark, Schützenpark und die Moorteichwiese.

    Marine Tanklager Ölberg


    Nach 1933 wurde das Gelände von der Marine angekauft und für die Öffentlichkeit gesperrt.
    Es wurden unterirdische Öltanks in verschiedenen Größen errichtet und untereinander mit Pipelines verbunden. Eine weitere Pipeline führte von den 6 kleineren Tanks hinunter zu der Ölpier, mit seinem Pumpenhaus und dem Steg bestückt mit Flaktürmen. Hier machten die Tanker fest und belieferten die Tanks mit Öl.
    Auf der Pier befand sich auch ein Endpunkt der Kleinbahn für die Treibstoffzüge, welche über eine Weiche am Fuchsberg in Dietrichsdorf, an dem Mönkeberger See vorbei, ans Ufer führte. Ein weiterer Endpunkt befand sich oben, östlich der 6 kleinen Tanks.
    Der Lokschuppen für die Züge befand sich östlich des Heikendorfer Wegs, gegenüber der Einfahrt Rohlfsweg. Hier befanden sich noch 2 weitere große Tanks im Bau, dessen Baumaterial wie Schalbretter nach dem Krieg für Mönkeberger Behelfsheime verwendet wurde.
    Auf der höchsten, auf 27 Meter hohen Anhöhe gelgenen, Aussichtsplattform befand sich zu der damaligen Zeit eine Wohnbaracke. Diese war durch einen Weg mit dem unterhalb am Hang gelegenen Mannschaftsbunker verbunden.
    Mitten im Wald, am ehemaligen Rundweg der Grünanlage befindet sich ein Unterstand für die Soldaten, die auf dem Ölberg tätig waren.

    Am 10. Mai 1945 landeten deutsche Flüchtlinge und Soldaten aus Hela (Polen) mit deutschen Zerstörern und Flottentorpedobooten (vermtl Z 14, Z 20, Z 25 oder Z 39) an dem Steg der Ölpier an.
    Zur gleichen Zeit befand sich der Riesen-Schwimmkran DEMAG I/38 ( Heute als Titan mit dem Spitznamen “Herman the German” in Panama ), an der Öl-Pier.

    Nachkriegszeit


    Die gesprengten kleineren Öltanks wurden bis in die 1970er Jahre mit Schutt und Hausmüll befüllt und zugedeckt. Auch später noch wurde immer wieder Müll dort entsorgt.
    Die Decken der beiden 20000m³ Großtanks wurden ebenfalls gesprengt und der wertvolle Stahlmantel im inneren wurde entfernt.
    Im östlichen Tank sammelte sich nach und nach Wasser, eine kleine Fischzucht wurde betrieben.
    Die Decke des westlichen Tanks stütze, im Gegensatz zu der des östlichen, nicht komplett ein. Sie sackte mittig, trichterförmig ein. Ein großer ringförmiger Hohlraum ist heute noch vorhanden.

    Zwei Häuser/Baracken, südlich an der Aussichtsplattform gelegen, blieben zunächst erhalten.

    Weitere Reste des Tanklagers sind noch heute zu finden und das Gelände ist weiträumig verunreinigt.
    Große Mengen an Öl versickerten im Boden und lassen sich noch heute im Mönkeberger See, auf dem Ölberg und unterhalb am Strand finden.
    Hinzu kommen Munition und Blindgänger im Boden und auf dem Grund vor der Pier.

    Spätere Nutzung


    Auf dem Ölberggelände befand sich eine Straßenkehricht-Deponie.

    Auf der ehemaligen Ölpier wurde 1961 ein Betonwerk inklusive Steg und Baukran errichtet. Das Gelände wurde bis 1965 zum Bau des Kieler Leuchtturms genutzt. Hier wurden die Schwimmkästen angefertigt und in die Aussenförde geschleppt.

    Das Ölpiergelände soll bis 2023 saniert und einer gewerblich-touristische Nutzung zugeführt werden. Die Kosten hierfür werden auf 4,9 Millionen Euro abzüglich der 3 Millionen Euro Fördermittel von EU und Bund geschätzt (Stand: 01.04.2021).

    Leichenfund 1987


    Im Mai 1987 fanden Einsatzkräfte die Leiche von der Gymnasiastin Alexandra S. auf dem Ölberg. Sie wurde Vergewaltigt und anschließend erwürgt. Der Mordfall wurde erst im Jahr 2011 mit Hilfe von DNA-Technik aufgeklärt. Bei dem Mörder handelte es sich um Alwin N., der für weitere Morde in Kiel verantwortlich war und 1988 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Er starb 2004 in der Justizvollzugsanstalt Lübeck und konnte somit für den Mord an Alexandra S. aus Mönkeberg nicht mehr belangt werden.

    Hilferufe aus Erdloch 2022


    Am 6. Juli 2022 nahmen Jugendliche auf dem Ölberg ein Video auf, auf dem ein Rufen aus einem Erdloch zu hören war. Sie befanden sich auf einem der quadratischen 8000m³ Tanks, der nach dem Zweiten Weltkrieg gesprengt und anschließend mit Hausmüll verfüllt wurde. Da sich jedoch unter der eingestürzten Betondecke Hohlräume befinden, kommt es durch Nachrutschen der Erde, immer wieder zu Löchern an der Oberfläche. Aus so einem Loch kamen die vermeintlichen Rufe. Die Jugendlichen informierten die Polizei und es begann eine mehrere Stunden andauernde Suchaktion mit THW und Feuerwehr. Diese hoben mit einem Bagger mehrere Meter Erde und Müll aus, um eine mögliche Person in der Tiefe auszumachen. Zur Hilfe wurden Spürhunde und technisches Gerät eingesetzt. Hobbyhistoriker Dennis Rindermann wurde hinzugezogen um mögliche Zugänge zum Tunnelsystem ausfindig zu machen, an dem die Spürhunde eingesetzt werden konnten. Nachdem auch hier keine Hinweise auf eine Person unter der Erde gefunden wurden, wurde die Suche nach 18 Stunden abgebrochen.


    Ort: Schleswig Holstein, Mönkeberg

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Details
  • Rohlfsweg, Mönkeberg
  • Zustand: Teilweise vorhanden
  • Anno: 1929
  • Besitzer: Stadt Kiel, Kriegsmarine, Bundesvermögensamt, Amt Schrevenborn
  • Epoche: Weimarer Republik (1919–1933)
  • Ort: Mönkeberg

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