St. Jürgen Kapelle

5.0
Kapelle
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  • St. Jürgen-Kapelle


    Die erste Erwähnung von St. Jürgen in Kiel findet sich 1267 im Kieler Stadtbuch. Aus dem St.-Jürgen-Kloster, das ursprünglich zwölf Plätze hatte und damals weit vor der Stadt lag, entwickelte sich ab 1400 eine Armenanstalt mit klösterlichen Lebensregeln. An der Kapelle entstand ab 1793 ein Friedhof, der seit der Eröffnung des Südfriedhofs den Namen St.-Jürgen-Friedhof trug.

    Nach der Reformation bildete das St.-Jürgen-Armenhaus zusammen mit dem Franziskanerkloster, dem Heiligengeistspital und dem sogenannten Neugasthaus eine Gruppe von vier kleinen städtischen Fürsorgeeinrichtungen. Das großzügige Vermächtnis von Henriette Friederica von Ellendsheim ermöglichte 1822 die Zusammenlegung der Einrichtungen in einem Neubau auf der St.-Jürgen-Wiese, das den Namen Kieler Stadtkloster erhielt. Die wachsende Stadt und der Bau des Hauptbahnhofs machten aber Anfang des 20. Jahrhunderts eine Verlegung des Kieler Stadtklosters in die Harmsstraße erforderlich.

    Die Kapelle erwies sich für die wachsende Südstadt als zu klein und wurde 1902 abgerissen.

     

    St. Jürgen-Kirche von 1904


    Der sehr viel größere Neubau konnte am 10. November 1904 eingeweiht werden. Mit ihrem 58 Meter hohen Turm bildete die Kirche einen besonderen Akzent am Sophienblatt. Nach der Beseitigung des Stadtklosters schloss sie an der westlichen Bahnhofseite gegen den St.-Jürgen-Friedhof ab. Zum Sophienblatt erhielt sie den Vorbau einer Eingangshalle, die die Straßengeräusche dämpfte. Zwischen Kirche und Hauptbahnhof befand sich noch ein Hof, über den der Zugang zum St.-Jürgen-Friedhof führte.

    Erster Organist an der Kirche wurde der Königliche Musikdirektor Heinrich Johannsen (* 30. Juli 1864 in Lauenburg; † 8. Februar 1947 in Eutin), der im Übrigen auch die Glockenspielmelodie des Kieler Rathausturms schuf.

    Durch die Nähe zum Hauptbahnhof war die Kirche in besonderer Weise den massiven Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt. Am 5. April 1945 wurde sie endgültig ausgebombt. Eine von Adolf Brütt geschaffene lebensgroße Christusfigur ging zunächst verloren, wurde aber 2008 in einem Magazin des Kieler Stadtarchivs wiedergefunden.

    Im Zuge des Wiederaufbaus des Hauptbahnhofs entschloss man sich gegen einen Wiederaufbau der Kirche und zur Aufgabe des Friedhofs zugunsten der Verbreiterung des Sophienblatts. Die Ruine wurde bis 1954 abgetragen.

     

    St. Jürgen-Kirche heute


    Der heutige Bau am Königsweg wurde von dem Kieler Architekten Ernst Mackh entworfen. Seine Einweihung fand am 12. Dezember 1954 statt. In den Backsteinbau konnten einige Elemente aus der alten Kirche wie Türen und Bänke und sogar die Turmuhr integriert werden

     

    Quelle: www.kiel-wiki.de




    Kieler Erinnerungstage: 1902 | Die St.-Jürgen-Kapelle



    Am Sophienblatt gegenüber der Einmündung der Ringsstraße, wo sich heute der große Parkplatz am Bahnhof befindet, stand die alte St.-Jürgen-Kapelle, deren Bau schon im 14. Jahrhundert erstmalig urkundlich Erwähnung fand. Im Jahre 1267, bald nach der Gründung Kiels, entstand hier weit außerhalb der Stadt ein Hospital für Aussätzige (Leprakranke). Auch eine kleine Kirche gehörte dazu, die St.-Jürgen-Kapelle, benannt nach dem Schutzheiligen der Aussätzigen, dem heiligen St. Georg oder niederdeutsch St. Jürgen. Die kleine Backsteinsaalkirche war sehr schlicht und mit einem Satteldach versehen. An der Nordseite bildete ein schmuckloses spitzbogiges Portal den Zugang zur Kapelle. Die letzte Gestalt der Kirche dürfte aus dem 16. Jahrhundert stammen.

    Die Lepra verschwand mit dem ausgehenden Mittelalter aus weiten Teilen Europas, denn die Lebens-, Wohn- und Ernährungsverhältnisse verbesserten sich. In den Städten wurden z. B. die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung in Angriff genommen. Der Aussatz erlosch allmählich auch in Schleswig-Holstein. Bestehen blieben aber die St.-Jürgen-Kapelle und das Hospital, das nun ein Armenhaus wurde. 1822 entstand statt dessen ein Altersheim, das sogenannte Stadtkloster. Die uralte St.-Jürgen-Kapelle diente jetzt als Andachtsstätte der Klosterinsassen. Die kleine Glocke am Ostgiebel läutete ihnen auf ihrem letzten Gang. Diese Glocke ist noch erhalten. Sie hängt in dem 1908/09 in der Harmsstraße erbauten neuen Stadtkloster.

    Die St.-Jürgen-Kapelle wurde 1902 abgebrochen, um den Bau der St.-Jürgen-Kirche zu ermöglichen. Das Stadtkloster musste 1909 im Zuge des Bahnhofneubaus weichen. Es erhielt neue Gebäude in der Harmsstraße.


    Verfasst am 10. November 2004 von Christa Geckeler (1937 - 2014)




    Kieler Erinnerungstage: 10. November 1904 | Einweihung der St.-Jürgen-Kirche am Sophienblatt



    Die neue St.-Jürgen-Kirche oberhalb des Königsweges wurde am 12. Dezember 1954, am dritten Adventssonntag, durch Propst Asmussen eingeweiht. Zahlreiche Vertreter kirchlicher und weltlicher Behörden, darunter Bürgermeister Fuchs, nahmen an dem Festgottesdienst teil. In einer Feierstunde am Nachmittag in Anwesenheit von Bischof Halfmann, Oberkonsistorialrat Brummack, Ministerialdirektor Kock von der Landesregierung, Stadtbaurat Jensen, Propst Asmussen und Prof. Redeker von der Theologischen Fakultät bedankte sich Pastor Hahn von der St.-Jürgen-Gemeinde bei allen, die beim Zustandekommen des Kirchenneubaus mitgeholfen hatten. Z. B. hatten die Gemeindemitglieder 1300 DM durch Spenden aufgebracht.

    Die Kirche, nach den Entwürfen des Architekten Ernst Mackh errichtet, war der erste große evangelische Kirchenneubau nach dem Krieg in Kiel. Mit ihren sieben hohen farbigen Chorfenstern, die den halbrunden Altarraum abschließen, mit der ebenfalls durch farbige Glasfenster geschmückten Taufkapelle, dem schlichten Holzkreuz über dem Altar und der Empore mit den großen Rundfenstern ist die Kirche in ihrer schlichten Klarheit ein Beispiel neuzeitlicher Kirchenbauweise. Zahlreiches Baumaterial und Kirchengerät der alten St.-Jürgen-Kirche wurde in dem neuen Gotteshaus wiederverwendet: Turmuhr, Kanzel, Taufstein und das gesamte Altargerät. Die von dem aus Husum stammenden Berliner Bildhauer Prof. Adolf Brütt geschaffene lebensgroße Christusfigur war zu stark beschädigt und ging verloren. Die Glocke der alten St.-Jürgen-Kirche läutete gemeinsam mit einer 1842 gegossenen Patenglocke aus dem Riesengebirge zum Festgottesdienst am Tag der Einweihung. Und Architekt Marckh übergab an Vertreter der Kirche von der gleichfalls wiederverwendeten Kirchentür denselben Schlüssel, mit dem die alte St.-Jürgen-Kirche 1904 zur Einweihung aufgeschlossen worden war.

     

    Die alte St.-Jürgen-Kirche

    Der Tag der Einweihung der neuen St.-Jürgen-Kirche fiel zusammen mit der Eröffnung des neuen Sophienblattes, d. h. der Verbreiterung der Straße zwischen Bahnhof und Hummelwiese. Hier aber, auf dem heutigen Parkplatz Sophienblatt, stand die alte St.-Jürgen-Kirche, die 1902 bis 1904 errichtet und am 10. November 1904 eingeweiht worden war, nachdem vorher die St.-Jürgen-Kapelle weichen musste. Die neue Kirche in der Südstadt bildete mit ihrem 58 Meter hohen Turm einen besonderen Akzent am Sophienblatt. Sie schloss den Platz, der nach der Beseitigung des Stadtklosters 1909 entstanden war, an der westlichen Bahnhofseite gegen den St. Jürgen-Friedhof ab. Innenräume und Außenfront des Gotteshauses waren der romanischen Backsteinarchitektur nachempfunden; als Grundform der Kirche wählte man eine gewölbte Basilika. Vor dem eigentlichen Kirchenraum wurde auf westlicher Seite zum Sophienblatt eine Halle vorgebaut, die die Zugluft abhielt und die Straßengeräusche dämpfte. Zur Minderung des Lärms vom Bahnhof ordnete man im Inneren hinter dem Chor einen Umgang an. Außerdem lag zwischen Kirche und Hauptbahnhof ein Hof von rund 10 Metern Breite, über den der Zugang zum St.-Jürgen-Friedhof führte.

    Die 1944/45 stark zerstörte Kirche wurde für den Gottesdienst notdürftig wieder hergerichtet. In den Wintermonaten 1945/46 diente der Gottesdienstraum auch als Unterkunft für die Vertriebenen, Heimkehrer und Einheimischen, die auf dem Bahnhof ankamen und denen von der Stadtmission geholfen wurde. Die Kirchenbänke vor dem Altar wurden zu Schlafstätte für diese Menschen. Einmalig war die Beheizung der Kirche zu dieser Zeit. Eine Lokomotive auf einem Gleis des Bahnhofs schickte mit Genehmigung der Engländer Dampf durch die anmontierten Rohre in die Heizungsanlage der Kirche.

    Das Gotteshaus wurde nicht wieder aufgebaut, denn die Ruine behinderte das neue Verkehrskonzept der Stadt. Der ständig wachsende Nord-Süd-Verkehr machte eine Verbreiterung des Sophienblattes notwendig. Am 25. Juli 1954 fand der letzte Gottesdienst in der Notkirche statt, dann wurde sie abgerissen. Die Gemeinde erhielt im selben Jahr die neue St.-Jürgen-Kirche in der Michelsenstraße.

    Mit einem einwöchigen Festprogramm feierte die Gemeinde im September 2004 die Weihung der alten Kirche vor 100 Jahren und der neuen Kirche vor 50 Jahren.

    Im Jahr 2005 vereint sich die St.-Jürgen-Gemeinde mit der Vicelin-Gemeinde und der Heiland-Gemeinde zur „Friedensgemeinde Kiel“.


    Verfasst am 10. November 2004 von Christa Geckeler (1937 - 2014)


    Ort: Schleswig Holstein, Kiel

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Details
  • Sophienblatt 29, Kiel
  • Zustand: Beseitigt
  • Anno: 1267
  • Bis: 1902
  • Epoche: Spätmittelalter (1250-1492)
  • Ort: Kiel

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